| Die
Karnischen Alpen Zeugen des weltweiten Massentodes Dr. Lutz Kreutzer |
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Die Katastrophe schlug erbarmungslos zu: Niemals zuvor und niemals später ist der Erde und dem Leben auf ihr Schlimmeres widerfahren; 95% aller Arten wurden von der Sense der Evolution vernichtet. Es klingt wie ein Horror-Märchen: die Meere versanken im Faulschlamm, der Sauerstoff wurde aufgezehrt und die Welt erstickte am eigenen Dreck. Der Lebensraum wurde vollständig zerstört, die Existenz ausgerottet. In den Gesteinen der Reppwand (Bild) ist diese zu Fels gewordene Katastrophe an der Perm / Trias Grenze vor 250 Millionen Jahren bestens dokumentiert. |
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In der Cellonrinne zeigen sich auf 60 Höhenmetern die Gesteine des Erdzeitalters Silur (440 - 410 Millionen Jahre vor heute). Etwa im unteren Drittel quert ein schmaler Steig die Rinne. Hier befindet sich eine wahre Pilgerstätte für Geologen aus der ganzen Welt. Der heutige Direktor der Geologischen Bundesanstalt und Vater des Geo Trails Karnische Alpen, Hans-Peter Schönlaub, hat dort eine Erklärungs-Tafel anbringen lassen: Die Häufigkeit und die gute Erhaltung der Fossilien machen dieses geologische Profil zum Standard für das Silur im gesamten Alpenraum. Nirgendwo in ganz Europa treten die Gesteine des Silurs in einer solchen klaren Abfolge zutage. |
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Das Flussbett der Gail markiert geologisch betrachtet die Grenze zwischen dem afrikanischen Kontinent (Karnische Alpen) und dem europäischen (Gailtaler Alpen). Das Tal gehört zur Periadriatischen Linie, die vom Lago Maggiore im Tessin mitten durch die Stadt Locarno bis ins Veltlintal, dann zum Adamello, schließlich durch das Puster- und Gailtal über die Karawanken nach Osten zieht. Diese riesige Verwerfung teilt die Alpen in die südliche afrikanische und die nördliche europäische Platte. Man könnte sich einen Scherz machen und behaupten, die Kötschacher wären Europäer, die Mauthner Afrikaner. Fährt man also über die Gailbrücke zwischen beiden Ortsteilen, so überquert man naturphilosophisch betrachtet die Grenze zwischen zwei Kontinenten. |
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Meilensteine
der Erforschungsgeschichte
L. von Buch beschreibt 1824 Mauthen als hügelige Schieferlandschaft und die Kellerwände: "... plötzlich eine ungeheure Wand, viele tausend Fuß hoch". G. Stache entdeckt 1884 die ersten Korallen und erkennt die komplexe Riff-Architektur der Kellerwände. Zum ersten Mal wird das mächtige Devon von F. Frech ab 1887 gegliedert. Er bestimmt in vielen Jahren Arbeit die devonische Fauna des Karnischen Hauptkammes. G. Geyer zeichnete ab 1894 Profile der Karnischen Alpen und 1901 entsteht aus seiner Hand die erste umfangreich erläuterte geologische Karte. Bahnbrechende Arbeiten verfassen H.R. von Gaertner ab 1927 und F. Heritsch 1936 über die Karnischen Alpen. Ab 1957 widmet sich O.H. Walliser dem berühmten Profil an der Cellonrinne und erkennt dessen Bedeutung für die internationale Geologie. Eine Arbeitsgruppe um G.B. Vai beginnt 1963 mit Arbeiten auf der italienischen Seite des Kellerwändzuges. Ab 1969 beschäftigt sich K. Bandel mit der devonischen Fauna und der Entwicklung des Devonmeeres. H.P. Schönlaub arbeitet ebenfalls zum ersten Mal 1969 in den Karnischen Alpen. Seine umfangreichen Veröffentlichungen sprechen für sich. Er initiiert in den 80er Jahren den bis dahin größten geologischen Wanderweg Europas, den Geo Trial Karnische Alpen. Arbeitsgruppen um H.P Schönlaub und G. Flajs kartieren die Karnischen Alpen ab 1982 komplett neu. 1984 erscheint das Blatt Kötschach mit einer Spezialkarte der devonischen Riffkalke des Kellerwand - Hohe Warte-Zuges von L.H. Kreutzer. B. Holser und H.P. Schönlaub veranlassen 1986 die Forschungsbohrung auf dem Kammleiten, die erkennen lässt, dass in den Karnischen Alpen der Beweis für die größte Massensterben aller Zeiten zu finden ist. "Von 1984 bis 1997 arbeitet L.H. Kreutzer an der Klärung der paläozoischen Riffkalke der Karnischen Alpen und setzt dabei zum ersten Mal alpinistische Arbeitsmethoden an; auf diese Weise können die steilen Wände der Karnischen Alpen erforscht und das Paläozoikum komplett neu gegliedert werden. Insgesamt werden etwa 500 kg Gestein aus den Wänden geborgen, archiviert und im Labor mikroskopisch ausgewertet." Zahlreiche Wissenschaftler aus aller Welt arbeiten immer wieder im Gebiet der Karnischen Alpen und machen sie daher zu einer Stätte der internationalen Begegnung von Wissenschaft und Geist. Insofern ist die Lage an der Grenze zwischen Afrika und Europa mehr als nur eine geologische Linie, diese Linie steht für Völkerverbindung und Internationalität. Forschung heißt Fortschritt für das Wissen um unsere Welt. Den Ursprung und die Evolution des Lebens auf der Erde zu begreifen läßt uns auch erkennen, wohin wir in Zukunft gehen werden. Die Geologie leistet dazu den entscheidenden Beitrag. In den Karnischen Bergen liegen die Antworten auf all diese Fragen in den Steinen verborgen. Nähere
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