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Seit mehr als zwanzig Jahren
verbringt Günter Haring Sommer und Herbst in den Karnischen
Alpen. Dort bewirtschaftet er eine der kleinsten österreichischen
Berghütten, die Filmoor-Standschützen-Hütte (2350m).
Das Außergewöhnliche daran : Die Herberge im Gebirge
ist nur nach einem stundenlangen Fußmarsch erreichbar.
Auf geschichtsträchtigem Boden hat sich
der idealistische Hüttenwirt ein wohl einmaliges Refugium geschaffen
: Genau dort, wo im ersten Weltkrieg Kämpfe zwischen …sterreichern
und Italienern tobten, steht die Herberge aus Holz. Denn vom Frühjahr
1915 bis Herbst 1917 waren die Karnischen Alpen Kampfgebiet und
ein Netz aus Steiganlagen durchzog Wände und Grate. Mauer-
und Stacheldrahtreste aus jener Zeit liegen noch überall herum.
Das alles ist längst Vergangenheit. Da die Hütte im Grenzgebiet
zwischen …sterreich und Italien steht, wandern von beiden Ländern
Bergsteiger hinauf, um sich in der Hütte zu treffen und die
familiäre Bewirtung des Wirtes zu genießen. Oben wird
dann Wein aus Venetien ebenso serviert wie Tiroler Speck oder mit
steirischem Kürbiskernöl abgeschmeckter Salat. Ein kulinarisches
Durcheinander, das köstlich schmeckt. Und gemeinsam wird auf
Deutsch und Italienisch gefeiert, diskutiert und über das Sprachenwirrwar
gelacht.
Nein, es gibt tatsächlich keinen Fahrweg
zur Hütte, auch keine Seilbahn. Das bedeutet : Alle frischen
Lebensmittel müssen auf dem Rücken des Wirtes stundenlang
heraufgetragen werden. Schwere Rucksäcke schleppen ist anstrengend.
Es habe aber auch seine Reize, versichert Günter Haring. Dieses
Höhersteigen auf schmalem Pfad, wo nur das Pfeifen der Murmeltiere
oder das Orgeln des Windes die absolute Ruhe durchbreche, fasziniert
ihn. Aber ein Träger ist ja nicht nur bei guten Wetterbedingungen
unterwegs, er muss bei strömendem Regen gehen, unter sengender
Sonne genauso wie im dichten Nebel oder im Schneetreiben (auf der
Filmoor kann es auch im Sommer jederzeit schneien). |
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