Der Karnische Höhenweg
Ein Weg mit Vergangenheit – Ein Weg mit Zukunft
Walther Schaumann
Die Ersten, die in der Abgeschiedenheit des Lesachtales Zuflucht suchten, dürften Ende des 6. und anfangs des 7. Jahrhunderts Flüchtlinge und Vertriebene der Völkerwanderung gewesen sein. Viel später hielten sich am Karnischen Hauptkamm lange Zeit nur Hirten und ihre Herden auf, dort wo sich gerade noch Weidegründe anboten. Anders die Jäger, vor allem jene die der Gemsjagd huldigten.
Sie waren allein mit ihren Stutzen bis in die Hochregion unterwegs und scheuten auch extrem ausgesetzte Felsbänder nicht bei der Verfolgung des flüchtigen Wildes. Als sicher gilt die Besteigung des Kollinkofels durch Anton Riebler aus Mauthen bei einer Jagd auf Gemsen. Einheimische Jäger prägten dann durch Jahrhunderte die Geschichte der Erstbesteigungen.
Von denen uns allerdings nur wenige bekannt sind, da viele der Jäger ihre Leidenschaft als Wilderer ausübten und daher begreiflicher Weise keinen besonderen Wert auf Publicity legten. Der wahrscheinlich berühmteste unter ihnen war Pietro Samassa aus Collina, der dann zu einem begehrten Führer werden sollte. Erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts begannen allmählich die Bergsteiger die Jäger bei den Erstbesteigungen abzulösen.
Mit der neuen Grenzziehung des Jahres 1753 entlang des Karnischen Hauptkammes gesellte sich noch eine dritte Personengruppe dazu, die Schmuggler, auch Schwärzer genannt. Auf ausgesetzten Pfaden im unwegsamen alpinen Gelände waren die Schmuggler mit ihren schweren Buckelkörben unterwegs, von Süden mit gutem italienischem Wein, von Österreich mit den begehrten Zigaretten und Tabak. Dass ab und zu Kühe auf unerklärliche Weise nach Süden desertierten, soll gar nicht so selten vorgekommen sein. Es war die bittere Armut in den Tälern dies- und jenseits der Grenze, die viele dazu zwang auf diese Art und Weise durch ein nicht gerade legales "Nebenerwerbseinkommen" ihre Familien mühsam und gefahrvoll zu ernähren. Denn so wie schon seit langem die Wilderer von den Jägern verfolgt wurden, gesellten sich nun die Zöllner dazu, die ihrerseits wieder die Schmuggler erbarmungslos jagten. Bedingt durch die ständige Konfrontation mit dem alpinen Gelände und dessen Gefahren standen mit den Jägern und Schmugglern ortskundige Männer zur Verfügung, die auf Grund ihrer Erfahrungen befähigt waren mit dem Einsetzen des Alpinismus sich den Touristen als Führer anzubieten.

Damit entstand eine natürliche personelle Reserve, die dem Alpenverein, sobald das Führerwesen reglementiert war, viele der zu autorisierenden Bergführer stellen konnte.

Als dann im Ersten Weltkrieg 1915 auch der Karnische Hauptkamm zur Front wurde, waren diese Männer auf beiden Seiten unentbehrliche Führer für die Truppe im schwierigen alpinen Gelände.

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Wir bedanken uns für die Bereitstellung der Informationen und Texte
bei den Dolomitenfreunden und insbesondere bei Walther Schaumann.


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